Die KÜHNLE Kutschenmanufaktur ist seit 1786 Handwerksbetrieb in der 7. Generation.
Seit 1960 Herstellung von Schwarzwälder Kutschen und Gespannfahrzeugen, Restauration und Reparaturen
von Kutschen aller Art. Bis heute weltweit bekannt für beste Qualität.
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Die Entwicklung des Kutschenbau bei Kühnle

Schwarzwälder Kutschen und Schlitten in alle Welt

Auf 700 Jahre Geschichte kann das schöne Schwarzwälder Dorf Beihingen im Jahr 1992 zurückblicken. Eng verbunden mit der Geschichte des Dorfes Beihingen ist die Familie Kühnle, deren Firmengeschichte als Schmiedebetrieb bis ins Jahr 1786 zurückgeht. Seit sieben Generationen gibt es nun bereits das bodenständige Schmiedehandwerk in der Familie Kühnle. Der Gründer, Michel Kühnle geb. 1748, lernte das Schmiedehandwerk und begann mit seinem eigenen Betrieb im Jahr 1786 in einer kleinen Werkstatt, die im Haus unter den Wohnräumen untergebracht war. Daneben befanden sich die Stallungen. Gearbeitet wurde auch sehr viel vor dem Haus. Man hörte das kräftige und hellklingende Gehämmer aus der Schmiede schon am frühen Morgen. Die Landwirte ließen ihre Werkzeuge und Gerätschaften jeweils nach Bedarf anfertigen. Der Hufbeschlag war eine zusätzliche Einnahmequelle. Zudem war der Schmied der "Allrounder", der für alle anfallenden Arbeiten gerufen wurde. Diese Art des Schmiedehandwerks wurde über mehrere Generationen fortgeführt. Die nachkommenden Söhne lernten das Schmiedehandwerk beim Vater, was meist nicht so einfach war. Es ging in allen Generationen äußerst streng zu, zumal der Schmied früher sehr deftig zupacken mußte und konnte. Die Lehrlinge bekamen dies auch immer wieder sehr deutlich zu spüren. Es war ein harter Beruf und nichts für empfindliche Gemüter.

Der Großvater

In der Dorfschmiede, in der Egenhauser Straße, lernten die heutigen Inhaber, Gustav und Paul Kühnle, schon als Kinder bei ihrem Großvater, Friedrich Kühnle, das Schmiedehandwerk kennen. Der Großvater verrichtete neben den genannten Arbeiten noch viele Dinge, die mit dem Metallbereich nur im weitesten Sinne zu tun hatten. Als damaliger Huf- und Wagenschmied beschäftigte sich der Großvater zunehmend mit dem Beschlagen von landwirtschaftlichen Leiterwagen in Holzbauweise. Der Wagner bzw. der Stellmacher lieferte dazu die fertigen Holzteile beim Schmied an, der die entsprechenden Eisenverstärkungen am Holz anbrachte oder auch die Holzräder mit Stahlreifen und Stahlnaben ausrüstete.

Vater und großer Lehrmeister in einer Person

Der Vater der heutigen Inhaber, Gustav Kühle sen., war ein leidenschaftlicher Huf- und Wagenschmied. Er verlegte sich um 1934 auf die Herstellung von luftbereiften Wirtschaftswagen für jeden Zweck und in jeder Ausführung. Die Fahrzeuge wurden für damalige Verhältnisse schon sehr weit, d.h. bis in den Raum Stuttgart verkauft. Gustav Kühnle sen. war sehr einfallsreich und man sieht heute noch viele landwirtschaftliche Anhänger und auch schwere Langholzwagen aus jener Zeit, die immer wieder bei Festlichkeiten Einsatz finden. Diese Fahrzeuge fertigte er zusammen mit seinen 3-4 Mitarbeitern an. Mangels Material mußte oft nach der Devise verfahren werden: "Aus alt mach neu." So war Gustav Kühnle sen. spezialisiert auf die Umänderungen von PKW-Achsen aus verschrotteten Fahrzeugen. Zumeist wurden für diesen Zweck mehrere Fahrzeuge angekauft, die auf dem Gelände in der Bösinger Straße abgestellt wurden. Dort hatte Gustav Kühnle sen. eine neue Werkstatt errichtet, die viel größer war, als die seiner Vorfahren und in der nach moderneren Arbeitsmethoden produziert wurde. Die Kinder lernten durch diese Verschrottungsaktionen sehr früh die Motorisierung kennen und waren stets am Basteln.

Früh lernten wir, was "ehrliche Arbeit" heißt

Die Kinder wuchsen heran und lernten sehr früh und schnell, was arbeiten heisst. Vor allem die Älteren mussten überall mithelfen, sei es im Haushalt, im Betrieb oder damals noch in der Landwirtschaft, die nebenher geführt wurde. Gustav, der Ältere, wurde 1962 aus der Schule entlassen und lernte traditionsgemäß das Schmiedehandwerk beim Vater. Sein Bruder Paul kam 3 Jahre später und ein weiteres Jahr drauf kam der jüngere Bruder Helmut in die väterliche Lehre. Dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind, mussten die drei Brüder vom Vater oft erfahren. Sowohl beruflich als auch in der Familie griff er streng durch, damit sich in der Großfamilie alles ordentlich entwickeln konnte. Dies ist ihm auch gelungen und sicherlich hätten die Eltern ihre Freude, wenn sie die heutige Entwicklung sehen könnten.

Mit einem Pony fing alles an

Soviel zu der in über sieben Generationen geführten Schmiede-Tradition. Die Überleitung in die Neuzeit begann damit, daß der jüngste Sohn Roland immer reiten wollte, wenn ein Pferd beschlagen wurde. Dies ging soweit, daß der damals Fünfjährige nach einem Pony bettelte und der Vater, der ein großer Pferdefreund war, dem Bitten nachgab. Bald schon stand ein Pony im eigenen Stall, das von den Kindern geritten wurde. Da der Vater auch etwas mit dem Pony anfangen wollte, baute er sich eine kleine, leichte Zweiradkutsche, mit der fortan in den wenigen Freistunden gefahren werden konnte. Auf einer dieser Fahrten begegnete ihm Herr Dr. Nagel, damals Chefarzt des Kreiskrankenhauses in Horb, der großes Interesse an einer Kutsche mit vier Rädern zeigte. Er wurde der erste Kunde, dem eine Kutsche gebaut wurde. Der Grundstein zum Kutschenbau war gelegt. Künftig wurden aber immer noch Anhänger für die Landwirtschaft oder auch PKW-Anhänger angefertigt. Ebenso wurden Geländer und Tore für jeden Zweck hergestellt. Der Betrieb stand schon damals auf "vielen Beinen" und über mangelnde Arbeit konnte nicht geklagt werden.

Der betriebliche Umbruch

Der Kutschenbau wurde nun in kleinem Rahmen als zusätzliche Einnahmequelle mitgeführt. Schnell konnten die noch luftbereiften Fahrzeuge auch in entferntere Orte geliefert werden, hauptsächlich an Freizeitfahrer. Schon früh zeigte sich, daß im Bereich Tourismus Geschäfte zu machen sind, und der Betrieb konnte in wenigen Jahren zahlreiche Wagen an Fremdenverkehrsorte im Schwarzwald, in Bayern, aber auch ins benachbarte Ausland verkaufen. Kühnle-Kutschen beförderten die Gäste auf das Schloß Neuschwanstein ebenso, wie durch die schöne Bergfeld bei Seefeld in Tirol oder Sankt Moritz in der Schweiz. Auch in anderen Sommer- und Wintersportorten werden die Schwarzwälder-Kutschen eingesetzt. Mit besonderem Stolz wird auf die Tatsache verwiesen, daß in all diesen Orten die alten Kutschen noch immer gefahren werden und dank dieser Werbung ständig Neufahrzeuge dazu gekauft werden. Erfolge waren in dieser Zeit auch schon mit Schlitten in den unterschiedlichsten Bauarten zu erzielen. Diese Schlitten wurden der heutigen wechselvollen Winterzeit angepaßt und erhielten ein zusätzliches Räder-Fahrwerk, das über eine eigens entwickelte Hydraulik abgesenkt werden kann. Allmählich begann der betriebliche Umbruch, denn der Kutschenbau expandierte. Das Fahren mit Pferden und Kutschen wurde immer beliebter und neue Interessenten reisten auch schon aus dem Ausland an. Der damals größte Auftrag war zweifellos eine Lieferung von acht Kutschen nach Persien, zu Zeiten als dort noch der Schah regierte.

Der große Umbruch kam in der 6. Generation

Der heute weltweite Erfolg der Kühnle-Kutschen im internationalen Spitzensport hatte seine Anfänge im Jahr 1971. Damals tankte ein Reisender an der kleinen, vor der Werkstatt gelegenen Tankstelle sein Auto auf. Beihingen liegt nicht an einer Durchgangsstraße und es ist bis heute unerklärlich, wie dieser Fremde den Weg in das Schwarzwalddorf fand. Mit diesem Reisenden, in Person des Werbefachmanns und Messe-Organisators Wolf Kröber aus Bramsche bei Osnabrück, begann die große Wende für den Betrieb. Just in dem Moment als er tankte, wurde aus dem Werkstatt-Tor eine Kutsche herausgefahren, die fertig war zum Versand. Für die Firmeninhaber bleibt es unvergessen, wie Wolf Kröber mit schlaksigen, großen Schritten auf den Hof lief und immer wieder ausrief: "Euch muß ich haben, euch muß ich haben ..." Denn Wolf Kröber wollte im Jahr 1972 eine Messe speziell für das Pferd und den Pferdebedarf in Essen organisieren. Zu dieser Messe suchte er geeignete Aussteller und er bereiste gerade Deutschland und das benachbarte Ausland in dieser Angelegenheit. Wolf Kröber war von der Arbeit, die er vor Ort sah, so angetan, daß der die Kühnle-Kutschen unbedingt zum Start seiner Messe haben wollte. Der Vater war anfangs noch nicht so begeistert wie die Söhne. Es vergingen noch Monate, in denen Wolf Kröber immer wieder versuchte das "Ja" des Vaters zu bekommen, bis schließlich die Söhne den Vater überzeugt hatten und er einer Beteiligung an der Ausstellung zustimmte

Der Schwarzwälder Messestand in Essen

Der Start zu ersten Messe war zugleich der Beginn einer wechselvollen Erfolgsgeschichte. Acht Kutschen und einige kleine Schwarzwald-Tannen, die den Messestand zieren sollten, reisten nach Essen. Als gestandene Handwerker hatten der Vater und die Söhne wenig Ahnung, was sie erwartete, aber die Euphorie und Begeisterung der Söhne war durch nichts zu bremsen. Beim Vater war dies etwas anders. Noch einen Tag vor der Abreise zur Messe meinte der Vater: "Ich weiß nicht, ob wir nicht zu Hause bleiben sollen, hier verdienen wir sicher mehr." Der erste Messestand der Kühnle-Kutschen, damals als "typischer Schwarzwaldstand" gestaltet, hob sich durch seine Tannen auffällig von den anderen Ständen ab. Präziser gesagt, gab es immer wieder ein "mitleidvolles Lächeln", wenngleich schon damals die Qualität der vorgestellten Produkte eine ausgezeichnete Resonanz und die uneingeschränkte Zustimmung der Fachwelt fand mit dem Ergebnis, daß alle vorgestellten Fahrzeuge verkauft wurden. Die Flexibilität und Vielseitigkeit des Betriebes wurde hoch belohnt. Durch den Erfolg bestätigt, wurden mit großem Elan in der Folgezeit neue Ideen aufgegriffen und umgesetzt. Wolf Kröber und seine Messe, die "Equitana", hatten die Feuertaufe ebenso gut überstanden wie die Kutschenbau-Neulinge aus dem Schwarzwald, und es sollte sich eine großartige Freundschaft zwischen ihnen entwickeln. Der Erfolg bei der Messe wies der Firma den Weg, sich ganz auf den Kutschenbau zu spezialisieren. Als Vorbilder standen während der Messetage die verschiedenen englischen Exklusiv-Produkte Pate, die von den Engländern entsprechend historischer Tradition gefertigt wurden. Die "Equitana" ist inzwischen zu Weltmesse Nummer 1 in Sachen Pferdesport geworden und die Kühnle-Kuschenmanufaktur war bisher auf jeder "Equitana" vertreten.

Treue Mitarbeiter sind Erfolgsgaranten

Der Erfolg erfordert zumeist großen Einsatz und kommt selten von allein. Der Kühnle-Erfolg hängt eng mit den fünf treuesten Mitarbeitern zusammen, die dem Betrieb seit vielen Jahren zur Seite stehen. Dem Engagement dieser Mitarbeiter und ihrer konstruktiven Zusammenarbeit mit der gesamten Belegschaft verdankt das Unternehmen heute seinen ungewöhnlichen Erfolg in einer Branche, die früher hauptsächlich den Engländern vorbehalten war. Die leitenden Angestellten werden von zumeist jungen hochmotivierten Mitarbeitern, deren Ideen und Anregungen stets erwünscht sind, unterstützt. Bisher konnten auch deshalb die Führungskräfte aus den eigenen Reihen gewonnen werden. Ebenso konnten in der Vergangenheit zahlreiche junge Menschen ihre Ausbildung in der Firma Kühnle absolvieren und nahezu alle jungen Fachkräfte blieben dem Betrieb erhalten. Durch Strebsamkeit und Fertigung hochwertiger Qualitätsprodukte konnten inzwischen alle Kritiker weltweit davon überzeugt werden, daß die Produkte aus dem Schwarzwald unübertroffen sind. Der heute Welterfolg konnte nur gelingen, weil im Betrieb ein stetiges Miteinander gefordert wird. Das praktische Wissen der Unternehmer Gustav und Paul Kühnle, die beiden den Beruf Schmied mit Fachrichtung Fahrzeugbeu erlernt haben und später ihre Meisterprüfung als Schmied bzw. Mechaniker ablegten, kommt den Mitarbeitern zugute. Deshalb wird auf der Führungsebene nur das Machbare verlangt und nichts Unmögliches von den Mitarbeitern erwartet. Die praktische Erfahrung und die harte Lehrzeit beim Vater zahlt sich immer noch für das Unternehmen aus. Heute fertigen nahezu 50 Mitarbeiter auf ca. 3.0000 m² Produktionsfläche in einer modernen Manufaktur Kutschen, Schlitten und Pferdefahrzeuge in jeder gewünschten Ausführung entsprechend alter Handwerkstradition. Alle früheren Berufsgruppen, wie Schmiede, Schlosser, Mechaniker, Fahrzeugbauer, Stellmacher, Schreiner, Polsterer, Sattler, Maler und Kunstmaler sind im Kühnle-Betrieb beschäftigt. Neben diesen traditionellen Handwerkern arbeiten auch mehrere Automechaniker und Lackierer. Somit wird Tradition mit modernster Technologie gepaart, wodurch täglich beste Ergebnisse erzielt werden. Selbst anspruchsvolle Aufträge werden problemlos abgewickelt.

Betriebserweiterungen waren unerlässlich

Schon vor dem Januar 1979 wußten Gustav und Paul Kühnle, daß mit der Betriebsübernahme auch Erweiterungen erforderlich wurden. Zu dieser Zeit erkannte man bereits die gute Nachfrage nach dem Schwarzwälder Produkt und stellte fest, daß die Kundenwünsche in den bisherigen Räumen nicht mehr erfüllt werden konnten. Bereits Mitte des Jahres 1980 wurde eine Fertigungshalle dem bisherigen Betrieb angegliedert und die Mitarbeiterzahl dementsprechend erweitert. Viel Platz benötigte in der Fertigungshalle die moderne Holz-Fachabteilung, die sehr hohe Kosten verursachte. Schon 2 Jahre später mußte nochmals eine neue Fertigungshalle angebaut werden und schon im Jahre 1985 waren die räumlichen Grenzen wieder erreicht. Die Kühnle' s sind bodenständige Beihinger und wollten keinesfalls den traditionsreichen Standort Beihingen verlassen. Dankenswerterweise wurde dieser Wunsch vom damaligen Bürgermeister Hugo Meroth stets akzeptiert und er unterstützte die eiligen Bauangelegenheiten. Durch die ebenso schnelle Zustimmung seiner Stadträte wurde die Entwicklung des Beihinger Betriebes immer bestens unterstützt. Als die Umsiedlung nicht mehr zu vermeiden war, schien es so, als ob die Firma Kühnle den Betriebsstandort Beihingen aufgeben müßte. Dank des Einsatzes der Beihinger Ortschafts- und des Haiterbacher Stadtrates hätte sich die Firma innerhalb kurzer Zeit neben die in Beihingen bereits vorhandenen Betriebe Schwenk und Stöhr ansiedeln können. Die Genehmigung für das neue Betriebsgebäude lag schon vor, als Herr Schwenk den Brüdern Gustav und Paul Kühnle das Angebot unterbreitete, sein komplettes Betriebsanwesen gegenüber dem Sportplatz zu erwerben, da er den Betrieb in absehbarer Zeit schließen wolle. Obwohl es den Firmeninhabern schwer fiel, ihren Plan, eine neue Fertigungshalle zu bauen, aufzugeben, entschieden sie sich nach reiflicher Überlegung zur Übernahme des kompletten Betriebsgeländes der Firma Schwenk. Im November 1986 erfolgte die Umsiedlung. Während in der Übergangszeit Paul Kühnle mit mehreren Mitarbeitern den neuen Betrieb für die Fertigung vorbereitete, leitete Gustav Kühnle die Kutschen-Fertigung im alten Betrieb mit den verbleibenden Mitarbeitern. Somit traten trotz des Umzuges keinerlei Produktionsrückstände ein. In den ersten Arbeitstagen im neuen Betriebsgebäude durften die Mitarbeiter ihre neuen Arbeitsplätze nach ihren Wünschen gestalten. Seit dem Bezug der neuen Betriebsräume wirbt die Firma als "Kühnle-Kutschenmanufaktur", da nun alter Tradition entsprechend alle Handwerksbereiche, die zur Fertigung des Endproduktes erforderlich sind, unter einem Dach untergebracht sind. Der Stolz vieler Handwerker lebt im Hause Kühnle weiter und die Freude ist groß, daß nahezu 100 verschiedene Kutschenmodelle angefertigt und die Fahrzeuge in alle Welt geliefert werden. Entsprechend den Erweiterungen im Fertigungsbereich mußte auch das Büropersonal aufgestockt werden. Der Firma stehen dabei qualifizierte Mitarbeiterinnen zur Verfügung. Die Mehrsprachigkeit dieser Angestellten erwarten die Kunden nahezu als Selbstverständlichkeit. In den Sommermonaten ist die Firmenleitung an den meisten Wochenenden auf nationalen und internationalen Fahrturnieren im In- und Ausland präsent, um dort mit ihrem Schwarzwälder Qualitätsprodukt zu werben. Bei diesen anstrengenden Reisen nach tagelangem Einsatz im Betrieb werden die Brüder zumeist von ihren Frauen begleitet und bei den oft schwierigen Beratungen sehr erfolgreich unterstützt.

Das Motto des Lehrmeisters

Die überlieferte Devise von Gustav Kühnle sen., Vater und Lehrmeister der jetzigen Inhaber, lautete gegenüber den Söhnen: "Hört euch alle Meinungen an und beleidigt niemanden mit dem Spruch: 'Das wissen wir schon', sondern nehmt die besten Vorschläge als Hilfe für Neuentwicklungen und Verbesserungen an und ihr werdet immer respektiert und eure Arbeit wird stets erfolgreich sein." Der heutige weltweite Firmenerfolg im Spitzensport der Ein-, Zwei- und Vierspänner-Fahrer sowie im Tandem-Fahren kommt nicht von ungefähr, sondern hat ein gutes Fundament. Die Meinung des Fahranfängers ist bei Kühnle genauso gefragt, wie die Meinung der inzwischen zahlreichen Weltmeister, nationalen Meister und Medaillengewinner aus aller Welt, die auf Kühnle-Kutschen vertrauen. Eine präzise, sorgfältige und auf den jeweiligen Kundenwunsch zugeschnittene Fertigung des Produktes ist nach wie vor wichtigste Voraussetzung für den steten Erfolg und wichtig für die Sicherung der Arbeitsplätze. Kühnle-Kutschen werden heute weltweit erfolgreich im Sport, im Freizeitbereich und bei Gewerbebetrieben eingesetzt. Der sehr stark exportorientierte Betrieb liefert ca. 60 % seiner hochwertigen Produkte in fast alle Länder der Welt.

Offizieller Weltmeisterschafts-Ausrüster für die USA

Erst in jüngster Vergangenheit war die Firma Kühnle mit einem Ausstellungsstand bei den amerikanischen Meisterschaften in Gladstone/New Jersey, der größten Fahrsport-Veranstaltung in den USA vertreten. Bereits vor diesem Amerikabesuch wurde der Firma Kühnle von der WM-Organisation mitgeteilt, daß sie offizieller WM-Ausrüster für die erste Weltmeisterschaft auf amerikanischem Boden sein wird. In Amerika wurde auf Wunsch der Weltmeisterschaftsorganisation vereinbart, daß die Firma Kühnle im September 1993 ca. 40 bis 50 neue Kutschen in Containern nach Amerika liefert. In den USA sollen diese Kutschen bereits möglichen Interessenten zum Kauf angeboten werden und ihre Übernahme durch die Käufer könnte dann im Oktober 1993 nach der WM erfolgen. Bei der zwölften "Equitana" im März 1993 werden bei dem Gemeinschaftsstand der Amerikaner die zwei Weltmeisterschaftsmodelle mit einer speziellen Lackierung vorgestellt, um auch dort frühzeitig um Käufer zu werben. Einen besonderen Auftrag erhielt die Firma Kühnle schon vor mehreren Jahren im Anschluß an die "Equitana" , als der Sultan von Oman 12 Kutschen in der exklusivsten Ausführung bestellte. Eine große Herausforderung für das Unternehmen war im Jahre 1984 der Auftrag von der Daimler-Benz AG, Nachbauten von Reitwagen aus dem Jahr 1885 und von Motorkutschen aus dem Jahr 1886 anzufertigen. Auch die Großaufträge anläßlich des 100-jährigen Jubiläums des Automobils im Jahre 1986 wurden von der Schwarzwälder Firma zur vollsten Zufriedenheit von Daimler-Benz ausgeführt und in der Folge erhielt die Kutschenmanufaktur noch mehrere Restaurationsaufträge. Bei der 700-Jahrfeier in Beihingen konnten auch je ein Daimler-Reitwagen und eine Daimler-Motorkutsche im Festzug bestaunt werden und die Kühnle-Werksfahrer hatten sich entsprechend dem Anlaß gekleidet.

Erfolge im Turniersport

Während es mit dem Bau von luftbereiften Freizeitkutschen und gewerblichen Fahrzeugen für den Tourismus stets langsam voran ging, wurde die Kutschenmanufaktur Ende der 70er Jahre vom Erfolg im Turniersport nahezu überrollt. Ungewöhnlich war, daß ein deutscher Hersteller auf dem weltweit von den Engländern dominierten Markt einbrechen konnte. Im Jahre 1974 reisten Gustav und Paul Kühnle mit vier luftbereiften Kutschen nach Frauenfeld in der Schweiz zur 2. Weltmeisterschaft der Viererzugfahrer. Damals waren die Firmeninhaber im internationalen Sport noch unerfahren; doch die Begeisterung für den Turniersport stellte sich schnell ein. Als dann auch noch die vier ausgestellten Kutschen bei der Weltmeisterschaft verkauft wurden, war dies Ansporn genug, künftig noch bessere und schönere Kutschen zu bauen. 1977 fand die Europameisterschaft der Viererzugfahrer in Donaueschingen statt. Zu diesem Anlaß fertigte das Unternehmen einen repräsentativen Jagdwagen mit Holzrädern und mit einem Metallaufbau, entsprechend dem F.E.I.-Reglement an. Diese Kutsche fand bei der Europameisterschaft allgemeine Bewunderung und wurde unmittelbar nach der Veranstaltung von Max Assmann, einem damals bereits auf internationaler Ebene erfolgreichen Turniersportler gekauft. Sehr angetan von der Qualität dieser Kutsche bestellte Max Assmann Anfang des Jahres 1979 eine Spezialkutsche für Marathonprüfungen, die nach seinen Angaben gefertigt wurde. Diese Kutsche wurde auch auf der "Equitana" ausgestellt. Nano Jansen und Helmut Kolouch aus Wien nahmen mit ihren auf der "Equitana" neu erstandenen Kühnle-Vielseitigkeitswagen erfolgreich an der Europameisterschaft 1979 in Frankreich teil. Damit war die Tür zum internationalen Fahrsport geöffnet. Der weltweite Erfolg des Unternehmens ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß die Beihinger Kutschenmanufaktur stets bestrebt war, die von den Kunden vorgebrachten Verbesserungsvorschläge umzusetzen. Bereits bei der Weltmeisterschaft 1980 in England waren fünf Schwarzwälder-Kombinationswagen im königlichen Park in Windsor am Start.
Partner der Kühnle Kutschen-Manufaktur: Dekra VDTÜV und die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN